Klimaschutz und eine Energiewende sind ohne Atomkraft möglich. Zu diesem Ergebnis ist der „Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ (WBGU) in einem Gutachten gekommen, das er der Bundesregierung am 7. April 2011 übergab. Es wurde also vor der Atomkatastrophe in Japan erarbeitet. Die Fachleute plädieren in ihrem Gutachten „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ für einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien und der dafür erforderlichen Infrastruktur. Demgegenüber heißt es im Gutachten: „Der WBGU rät von der Kernenergienutzung ab.“ Dies geschieht vor allem wegen der nicht vernachlässigbaren Risiken schwerster Schadensfälle, der ungeklärten Endlagerungsproblematik und dem Risiko unkontrollierter Weiterverbreitung dieser Technologien auch für militärische Zwecke. Bestehende Atomkraftwerke sollten so rasch wie möglich durch nachhaltige Energietechnologien ersetzt und bei erkennbaren Sicherheitsmängeln umgehend stillgelegt werden.
Die Energiewende zur Nachhaltigkeit kann dann gelingen, wenn gleichzeitig die gewaltigen Potenziale zur Effizienzsteigerung ausgeschöpft werden und die Änderung verschwenderischer Lebensstile, insbesondere in den Industrie- und Schwellenländern, kein Tabu mehr bleibt. Damit die Transformation gelingen kann, muss nach Auffassung des wissenschaftlichen Beirates ein Gesellschaftsvertrag zur Innovation durch einen neuartigen Diskurs zwischen Regierungen und Bürgern innerhalb und außerhalb der Grenzen des Nationalstaats geschlossen werden. Nur mit einem gemeinsamen Verständnis von klimaverträglicher Wertschöpfung und nachhaltiger Entwicklung lasse sich die globale Krise der Moderne überwinden. Klimaschutz sei eine notwendige Grundbedingung für eine global nachhaltige Entwicklung. Mit dem Gutachten zeigt der WBGU Perspektiven für die Zukunft nachhaltigen Wirtschaftens auf, die nach dem atomaren Desaster von Fukushima erst recht auf der Tagesordnung der nationalen und internationalen Politik stehen.
Eine Zusammenfassung des Gutachtens kann hier heruntergeladen werden.
(Frank Kürschner-Pelkmann)