„Zwar leugnet kein vernünftiger Mensch den Klimawandel, es gibt aber eine breite Kampagne gegen das ‚Zwei-Grad-Ziel’, die sich durch intellektuelle Doppelmoral und falsches Risikomanagement auszeichnet.“ Dies schreiben die angesehenen Klimawissenschaftler Hans Joachim Schellnhuber, Claus Leggewie und Renate Schubert in einem Beitrag für Zeit-Online vom 16.4.2010. Sie sind der Auffassung, dass die Forschung und die Berichterstattung des Weltklimarates IPCC immer auf den Prüfstand gehören. Aber es sei etwas anderes, „wenn Medien – motiviert von der bizarren Szene der Klimaskeptiker – der etablierten Klimaforschung Falschaussagen in der Substanz vorwerfen“. Dabei werde auch das Zwei-Grad-Ziel infrage gestellt. Dabei seien zwei Grad globaler Temperaturanstieg noch zu viel, wenn man sich die spektakuläre Geschwindigkeit des zu erwartenden Klimawandels vor Augen führe:
„Zwei Grad und nicht mehr – diese Orientierungsmarke lässt sich auf vielfältige Weise wissenschaftlich untermauern, aber natürlich nicht letztendlich beweisen. Doch zeigen Fachleute überzeugend, dass während der gesamten Entwicklungsgeschichte des Homo sapiens niemals höhere Temperaturen als ‚vorindustrielles Niveau plus zwei Grad Celsius’ geherrscht haben. Dem halten Skeptiker entgegen, der Mensch habe schon größere Ausschläge der Erdtemperatur überlebt. Die gingen allerdings nach unten, beispielsweise als sich die Erde während der letzten Eiszeit um fünf Grad abkühlte. Der Einwand ist skurril und praktisch irrelevant, da sich verstreute Sippen von prähistorischen Jägern und Sammlern elastisch mit den jeweiligen Umweltveränderungen im nahezu leeren Naturraum bewegen konnten. Der Übergang zur Sesshaftigkeit und die spätere Reifung von Hochkulturen waren dagegen wohl nur möglich, weil in den vergangenen 10.000 Jahren die globale Mitteltemperatur nahezu konstant geblieben ist. Heute sind fast sieben, im Jahr 2050 rund neun Milliarden Menschen landwirtschaftlich, urban und infrastrukturell fest verwurzelt – gerade auch in den bedrohten Küstenregionen.“
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