Der Exekutivdirektor des Sekretariats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), Yvo de Boer, hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt. De Boer betonte, der Rücktritt habe nichts mit dem enttäuschenden Ausgang des Klimagipfels von Kopenhagen zu tun. "Kopenhagen war nicht, was ich mir erhofft hatte", räumte Boer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP ein. Der Gipfel habe aber eine „solide Grundlage für die erhoffte globale Antwort" auf den Klimawandel gelegt. Leider habe der Gipfel die „Kopenhagener Vereinbarung“ lediglich „zur Kenntnis“ genommenen. Immerhin hätten diejenigen Staaten, die für 80 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich sind, „nationale Klimapläne und -ziele“ vorgelegt.
Yvo de Boer stand knapp vier Jahre an der Spitze des UN-Klimasekretariats und machte sich dadurch einen Namen, dass er unermüdlich dafür arbeitete, die Regierungen der Welt für ein neues Klimaschutzabkommen zu gewinnen und das Misstrauen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern abzubauen.
Der Niederländer erklärte, er werde sich künftig als Berater des Wirtschaftsberatungsunternehmens KPMG für den Klimaschutz sowie ein nachhaltiges Wirtschaften einsetzen. Regierungen könnten nur einen „politischen Rahmen“ setzen, die „wirklichen Lösungen müssen aus der Wirtschaft kommen“. Er fügte hinzu: "Wir brauchen neue Partnerschaften mit der Privatwirtschaft. Und ich habe jetzt die Gelegenheit, dabei zu helfen, damit das passiert." Der Wechsel sei eine „schwierige Entscheidung“ gewesen, aber es sei für ihn „Zeit für eine neue Herausforderung“.
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bedauerte den Rückzug de Boers. Der „Tagesspiegel“ berichtete allerdings am 19. Februar über Spannungen zwischen UN-Generalsekretär und dem bisherigen Leiter des UN-Klimasekretariats: „Das Verhältnis zwischen den beiden ist jedenfalls nicht spannungsfrei. Ban hat seine eigene Position eng mit einem Erfolg bei den Klimaverhandlungen verknüpft. Deshalb beharrte er auch gegen jede Realität darauf, dass der Gipfel ein Erfolg gewesen sei. Ban hat sich schon seit dem Gipfel auf Bali 2007 mit einem eigenen Beraterkreis zum Klima umgeben. Außerdem traf er Entscheidungen, die er mit dem UN-Klimasekretariat offenbar nicht abgestimmt hatte.“
Der britische Klimaminister Ed Miliband lobte nach der Rücktrittsankündigung de Boers Rolle in Kopenhagen. Mit der Vereinbarung sei etwas erreicht worden, „was vorher noch nie erreicht wurde“. Der Klimaexperte von Greenpeace, Martin Kaiser, sagte: „Mit de Boer geht der große Steuermann des Klimaprozesses von Bord.“ Grünen-Klimaexperte Hermann Ott erklärte: „Der Rücktritt ist eher eine Chance als ein Risiko." Man sollte jetzt die Chance nutzen, einen Kandidaten aus dem Süden zu finden, der das UN-Klimasekretariat „strategisch neu aufstellen“ könnte. Die grüne Europaabgeordnete Rebecca Harms äußerte sich so zum Rücktritt de Boers: „Seine unverblümte Art mag ihm immer wieder Kritik eingetragen haben, aber seine Offenheit hat den Verhandlungsprozess belebt."
Yvo de Boer wird sein Amt zum 1. Juli aufgeben. Fünf Monate später wollen die 193 UN-Mitgliedstaaten in Mexiko bei einem Klimagipfel ein neues internationales Klimaabkommen schließen. (FKP)