Klimainformationen und Klimavorhersagen können Leben retten. Und sie sind angesichts des globalen Klimawandels mit einer wachsenden Zahl von Extremwetterereignissen noch wichtiger als früher. Das zunehmende wissenschaftliche Wissen über Klima- und Wetterentwicklungen muss dringend Politiker, Katastrophenschutzorganisationen, Entwicklungsorganisationen und die Bevölkerung vor Ort erreichen. Vom 31. August bis zum 4. September 2009 fand deshalb in Genf die Dritte Weltklimakonferenz statt, die von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Zusammenarbeit mit weiteren internationalen Organisationen durchgeführt wurde. Sie hatte das Thema „Bessere Klimainformationen für eine bessere Zukunft“ (Better climate information for a better future).
Die beiden ersten Weltklimakonferenzen der WMO 1979 und 1990 in Genf gelten als Meilensteine internationaler Klimaforschung und ebneten den Weg für die Gründung des Weltklimarates IPCC und für die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen UNFCCC. Die dritte Weltklimakonferenz fand drei Monate vor der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen statt und sollte die wissenschaftliche Zusammenarbeit in der Klimaforschung und die Schaffung von wissenschaftlichen Grundlagen für nationale und regionale Anpassungskonzepte fördern.
Bei dieser dritten Klimakonferenz wurde deutlich, wie wichtig präzise und rechtzeitig verfügbare Informationen im Umgang mit den Folgen des Klimawandels sind und zwar sowohl für die politische und entwicklungspolitische Entscheidungsfindung als auch für die lokale Bevölkerung.
An den ersten drei Tagen der Klimakonferenz beschäftigten sich 1.500 Expertinnen und Experten mit der Frage, wie Klimavorhersagen verbessert und stärker für Politik und Gesellschaft nutzbar gemacht werden können. Ein Ziel dieser Wissenschaftskonferenz war es zu sehen, wie Klimadienstleistungen besser koordiniert und besonders wirtschaftlich armen Ländern helfen können, sich auf die Auswirkungen des Klimawandels einzustellen. Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan fasste das zugrunde liegende Problem in Genf so zusammen: „Es ist traurig! Aber die Länder, die die Zunahme von Wetterextremen am stärksten zu spüren bekommen werden, kommen heute am schwersten an Klimadaten.“
Am Anfang des 36-seitigen Berichtes des Expertentreffens wird festgestellt, „die gegenwärtigen Fähigkeiten, wirksame Klimadienstleistungen anzubieten, bleiben weit dahinter zurück, die gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnisse zu befriedigen und Vorteile zu nutzen und dies besonders in Entwicklungsländern“.
Um verlässliche Klimainformationen für den ganzen Planeten bereitstellen zu können, sind eine sehr viel stärkere internationale Zusammenarbeit, weit größere und leistungsfähigere Computer sowie ein größerer Einsatz von Infrastruktur und Fachkräften erforderlich, wird im Konferenzbericht festgestellt. Eine Grundvoraussetzung für bessere Klimavorhersagen sind Klimabeobachtungen von hoher Qualität. Ebenso muss es gelingen, die Klimamodelle zu verfeinern und die Klimavariabilität besser zu verstehen. Auch dann wird es erforderlich sein, den Nutzern der Klimadienstleistungen zu vermitteln, welche Grenzen und Unsicherheiten mit den Klimawandel-Modellen verbunden sind, wird im Konferenzbericht festgestellt.
Ein wichtiges Thema des Genfer Expertentreffens war es, wie die Klimaforschung dazu beitragen kann, das Katastrophenrisikomanagement zu verbessern. Um von einem reaktiven Verhalten zu einer Prävention und Vorbereitung auf Katastrophen zu kommen, ist ein sehr viel besseres Verständnis lokaler Klimaprozesse und zu erwartender Klimaextreme erforderlich. Klimavorhersagen gehen über ein akutes Frühwarnsystem hinaus und ermöglichen es, sich bei längerfristigen Planungen auf absehbare Auswirkungen der Klimaveränderungen einzustellen. Solche Klimainformationen als Grundlage für Anpassungsmaßnahmen sind besonders für besonders verletzliche Regionen in Afrika, für die großen Flussdelta in Asien sowie für kleine Inseln erforderlich.
Zu den vielen Einzelfragen, mit denen sich die Expertenkonferenz beschäftigte, gehörten die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die Gesundheit, die Energieversorgung, den Zugang zu Wasser, den Tourismus, die biologische Vielfalt und die Landwirtschaft. Betont wird im Bericht, dass eine bessere Kommunikation der Ergebnisse der Klimaforschung erforderlich ist, dass Genderfragen bei der Forschung und deren Umsetzung im Blick sein müssen und dass lokale Gemeinschaften mit ihrem historischen Wissen in die Forschung und die Planung von Anpassungsmaßnahmen einbezogen werden müssen. Auf diesem Hintergrund fand der Plan für ein „Global Framework for Climate Services“ (siehe unten) eine breite Unterstützung bei den Expertinnen und Experten.
Ein wichtiges Element bei der Verwirklichung dieses Konzepts ist die Verbesserung der Klima- und Wetterforschung in Entwicklungsländern. Ali Mohamed Shein, der Vizepräsident Tansanias, brachte dieses Problem in Genf so auf den Punkt: „Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die man ergreifen müsste, damit Entwicklungsländer dem Klimawandel besser begegnen können. Es fehlt ihnen an Daten, an Messstationen und an der nötigen Ausstattung mit Computern und Klimamodellen. Für einen besseren Informationsaustausch müssen ihre Wetterdienste modernisiert, ausgebaut und miteinander vernetzt werden.“
Der zweite Teil der Klimakonferenz bestand in einem zweitägigen „High-level Segment“, zu dem zusätzlich zu den Wissenschaftlern über 90 Staats- und Regierungschefs und Minister anreisten (Deutschland war durch den Staatssekretär Gernot Erler aus dem Auswärtigen Amt vertreten). UN-Generalsekretär Ban Ki-moon berichtete bei der Konferenz in Genf von den Erfahrungen seiner kürzlichen Reise nach Spitzbergen. Dort hatte er die beginnenden katastrophalen Folgen des Klimawandels vor Ort studieren können. Ban Ki-moon warnte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Klimakonferenz: „Wir werden einen hohen Preis bezahlen, wenn wir nicht handeln.“
Der UN-Generalsekretär wandte sich gegen die Auffassung, man könnte sich Handeln zum Klimaschutz nicht leisten, weil dies das wirtschaftliche Wachstum einschränken würde. Dies sei falsch: „Der Klimawandel könnte eine gigantische wirtschaftliche Katastrophe hervorrufen.“ Im Blick auf die bevorstehende UN-Klimakonferenz in Kopenhagen würden begrenzte Fortschritte nicht ausreichen: „Wir brauchen schnelle Fortschritte.“ Ban Ki-moon beschwor die Politiker: „Wenn wir heute handeln, kostet es weniger, als wenn wir morgen beginnen. Nationale Staats- und Regierungschefs müssen global agieren. Handeln wir jetzt!“
Im Zentrum der Beratungen und Beschlüsse in Genf stand das „Globale Rahmenwerk für Klima-Dienstleistungen“ (Global Framework for Climate Services). Es wurde wie erwähnt bereits in den ersten Tagen der Konferenz in Fachkreisen beraten und an den letzten beiden Tagen dann auch von den Regierungsvertretern. Am Ende der Konferenz stimmten über 2.000 Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern, Fachleuten und politisch Verantwortlichen aus mehr als 150 Ländern dem Plan zu. Als wichtiges Ziel wurde formuliert, „die Erstellung, Verfügbarkeit, Bereitstellung und Anwendung von wissenschaftlich fundierten Klimavorhersagen und -dienstleistungen zu verstärken“.
Zu den wichtigsten Bestandteilen der geplanten intensiven internationalen Zusammenarbeit gehören ein globales Klimabeobachtungssystem, ein globales Forschungsprogramm, ein Klima-Dienstleistungs-Informationssystem, der Ausbau von Verbindungen zwischen Anbietern und Nutzern von Klimadienstleistungen sowie Aus- und Fortbildungsmaßnahmen. Eine „task force“ von Beratern soll innerhalb eines Jahres Schritte auf dem Weg zur Umsetzung des Globalen Rahmenwerkes planen.
WMO-Generalsekretär Michel Jarraud erklärte nach dem Beschluss: „Heute ist ein historischer Tag, um Klimadienstleistungen allen Menschen zugänglich zu machen.“ Der mosambikanische Präsident Armando Emilio Guebuza, der zu den Präsidenten der Konferenz gehörte, betonte: „Die Hitzewellen und Fluten, die die entwickelten Länder erleben, demonstrieren, dass kein einziges Land immun gegenüber diesen Phänomenen ist. Noch wichtiger ist: Die Tatsache, dass der Klimawandel und die Klimavariabilität das Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele behindern, sollte uns alle dazu veranlassen, heute zu handeln, denn morgen könnte es zu spät sein.“
Der Vorsitzende des Weltklimarates IPCC, Rajendra Kumar Pachauri, wies in einem Vortrag auf die große Bedeutung vorbeugender Maßnahmen im Blick auf den nicht mehr abwendbaren Klimawandels hin: „Angesichts der Tatsache, dass die Trägheit des Systems einen Klimawandel und dessen Auswirkungen auslösen werden, muss sich die globale Gemeinschaft selbst dann, wenn wir unsere Emissionen heute auf null reduzieren würden, der Notwendigkeit von Anpassungsmaßnahmen stellen und dies besonders in den verletztlichsten Regionen der Welt.“
Auch die EU erklärte umgehend ihre Unterstützung der Pläne. EU-Wissenschafts- und Forschungskommissar Janez Potočnik wies auf die Notwendigkeit hin, sich auf die Auswirkungen des Klimawandels einzustellen: „Das geschieht am Besten auf der Grundlage der bestmöglichen wissenschaftlichen Daten. Die Verfügbarkeit von weltweit anerkannten Klimainformationen, Instrumenten, Methoden und Modellen ist von entscheidender Bedeutung und dies besonders für Entwicklungsländer, die wahrscheinlich am meisten unter den negativen Auswirkungen des Klimawandels leiden werden.“
In einer Erklärung wandten sich die Jugenddelegierten der Konferenz an die übrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens. Sie begrüßten, dass zu dieser Konferenz bewusst Jugenddelegierte aus aller Welt eingeladen worden waren und schlugen dies auch für weitere Klimakonferenzen vor. Die Jugenddelegierten ermutigten auch dazu, „die Rolle wahrzunehmen, die die Jugend in den Prozessen der Sammlung und Verbreitung von Informationen, in der Bewusstseinsbildung und Beeinflussung des Verhaltens von Menschen hat. Und deshalb haben junge Leute eine wichtige Rolle als Akteure bei der Anpassung an den Klimawandel und bei dessen Abschwächung.“
In der Erklärung wird weiter festgestellt: „In Übereinstimmung mit den Ergebnissen dieser Konferenz fordern wir die Länder außerdem auf, Klimainformationen und Ressourcen für Anpassungsmaßnahmen umgehend zur Verfügung zu stellen, um die Fähigkeit der Verletzlichsten zu unterstützten, mit den Auswirkungen des Klimawandels fertig zu werden.“ (Frank Kürschner-Pelkmann)
Hier finden Sie die Website der Konferenz.
Hintergrundinformationen zur Konferenz finden Sie auf der Website der
DGVN.