Zur Homepage: Klimawandel bekämpfen

Landwirtschaft | 06.05.2009

Halbierung der landwirtschaftlichen Produktion im südlichen Afrika befürchtet

In den nächsten 70 Jahren könnte sich die landwirtschaftliche Produktion im südlichen Afrika auf die Hälfte vermindern. Diese Befürchtung äußerte kürzlich Dr. Constansia Musvoto vom südafrikanischen Council for Scientific and Industrial Research (CSIR). Die Befürchtungen beruhen auf Forschungsarbeiten zu den Folgen des Klimawandels und wurden Mitte April 2009 auf einer Konferenz der Southern African Confederation of Agricultural Unions (SACAU) in Durban/Südafrika vorgestellt. Die Agrarexperten sehen längere Dürren, häufigere Missernten und eine Wasserknappheit voraus. Die Prognose ist um so beunruhigender, als das World Food Programme im Januar angekündigte, dass in einigen Monaten 6,5 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein würden. Bei der Landwirtschafts-Konferenz wurde berichtet, dass in zahlreichen Ländern im südlichen Afrika in den letzten Jahren Dürren und/oder Flutkatastrophen die Landwirtschaft stark geschädigt haben.

Bei der Konferenz wurde auch deutlich, dass die Länder der Region kaum auf die Folgen der Klimaveränderungen vorbereitet sind. Musvoto betonte deshalb: „Der Landwirtschaftssektor im südlichen Afrika braucht langfristig geplante Anpassungsstrategien, den Aufbau von Abwehrkräften gegen den Klimawandel sowie Initiativen, die sicherstellen, dass alle Bauern von Maßnahmen zum Umgang mit den Folgen des Klimawandels erreicht werden, auch die armen und verletzlichen Bauern.“ Die Klima- und Landwirtschaftsexpertin empfiehlt: „Bauern müssen ihre Einkommensquellen diversifizieren, wenn sie überleben wollen. Die Menschen müssen sich anderswo zusätzliche Arbeit suchen, weil sie sich nicht mehr vollständig auf die Landwirtschaft verlassen können.“

Um so bedauerlicher ist es, erläuterte Musvoto in Durban, dass Mittel aus den CDM-Programmen (Clean Development Mechanism), wie sie im Kyoto-Protokoll vereinbart wurden, Afrika kaum erreichen. Im Rahmen von CDM-Projekten können Industriestaaten einen Teil ihrer Verpflichtungen im Rahmen der Kyoto-Vereinbarungen dadurch erfüllen, dass sie in Projekte investieren, die die Emissionen in Entwicklungsländern vermindern. Bis zum Oktober 2008 wurden aber nur 1,4% aller CDM-Projekte in Afrika südlich der Sahara verwirklicht. Von diesen 17 Projekten waren 14 in Südafrika angesiedelt, dem reichsten Land der Region. „Wir sehen keine CDM-Projekte im übrigen Afrika, weil die Länder es schwierig finden, die Voraussetzung für die Teilnahme zu erfüllen“, erläuterte Musvoto. „Die Kosten für den Aufbau solcher Projekte sind hoch, es fehlen die erforderlichen Forschungsdaten und die meisten Entwicklungsländer verfügen nicht über die technische Ausbildung und die technische Unterstützung, die erforderlich sind.“

Der SACTU-Präsident Ajay Vashee erklärte auf der Konferenz: „Wie möchten, dass die Regierungen den Klimawandel in allen Bereichen der Politik als zentrales Thema berücksichtigen, von der Landwirtschaft bis zu ländlicher Entwicklung, Handel und Energie.“ Die Regierungen müssten nationale Einrichtungen schaffen, die sich aktiv mit Fragen der Anpassung an die Folgen des Klimawandels und der Begrenzung des Klimawandels beschäftigen. Davon sei man noch weit entfernt, was sich auch daran zeige, dass in den Staatshaushalten nur 5% der Mittel für die landwirtschaftliche Entwicklung zur Verfügung gestellt würden. Dabei sei es unverzichtbar, die landwirtschaftliche Produktion zu erhöhen: „Wir können bei der Ernährungssicherheit nicht länger von Nahrungsmittelhilfe abhängen. Diese Abhängigkeit von ausländischer Hilfe hat politische Reformen verlangsamt, die das Ziel haben, lokale landwirtschaftliche Produktion zu einer Priorität zu machen.“

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in einem Bericht der Nachrichtenagentur Inter Press Service. (FKP)


Seite drucken