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Politik und Gesellschaft | 06.02.2009

Interview mit IPCC-Vorsitzendem Pachauri

„Unsere Träume werden von dem genährt, was wir in den Industrieländern sehen. Jeder hier möchte ein Auto und eine Klimaanlage, weil das in den reichen Ländern als gutes Leben gilt. Und jeder hier, dessen Einkommen steigt, will sich genau das zulegen. Einen Wandel wird es aber nur geben können, wenn eingesehen wird, dass dieses Modell nicht mehr funktionieren kann. Das ist ein weiterer Grund, warum der Wandel in den Industrieländern beginnen muss. Denn wenn ihr nicht umsteuert, werden wir weiter eurem Weg folgen, weil der als Fortschritt gilt.“ So beschreibt Rajendra K. Pachauri, der indische Vorsitzende des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) den Zusammenhang zwischen dem Lebensstil in den westlichen Ländern und dem in Indien. In dem Interview, das am 5. Februar in der „tageszeitung“ (Berlin) erschien, zeigte sich der Klimawissenschaftler optimistisch, dass ein weltweites Engagement zur Beschränkung des Klimawandels im Entstehen ist: „Die meisten politischen Führer und die Öffentlichkeiten haben das Problem inzwischen erkannt. Es geht jetzt darum, dass jemand die Führung übernimmt. Und hier hat Präsident Barack Obama eine sehr wichtige Rolle zu spielen. Wenn er einen Kurswechsel vollzieht und zu handeln beginnt, wird dies auch in anderen Ländern entsprechende Aktivitäten gegen den Klimawandel auslösen.“

Rajendra K. Pachauri hält es für notwendig, dass die westlichen Industrieländer beim Klimaengagement vorangehen. Dies hat schon quantitative Gründe. Die jährlichen klimaschädlichen Emissionen eines US-Bürgers sind 20 Mal so hoch wie die eines Inders. Große Erwartungen hat der IPCC-Vorsitzende an die Europäer: „Die EU hat eine Führungsrolle, und es ist wichtig, dass sie diese Position behält. Damit ist sie auch ein machtvolles Beispiel für die USA. Sollte die EU aus irgendeinem Grund zögern, wird es in den USA Kräfte geben, die das ausnutzen und versuchen werden, die Regierung dahingehend zu beeinflussen, dass sie selbst weniger unternimmt. Diese Herausforderung muss die EU annehmen und Führungsstärke demonstrieren.“ Selbstverständlich müsse auch in seinem Heimatland Indien mehr geschehen, um den Klimawandel zu begrenzen. Als Negativ-Beispiel sieht Rajendra K. Pachauri den Kleinwagen „Nano“ an, der kürzlich für 2.000 Dollar auf den indischen Markt gebracht wurde: „Der Nano ist ein Beispiel dafür, dass die Werbeindustrie überall auf der Welt den Menschen einredet, sie bräuchten ein Auto für die ganze Familie und dass dies Glück schlechthin bedeutet. All dies weckt den Wunsch, ein Auto zu besitzen.“ Stattdessen sollte stärker in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs investiert werden.

Das vollständige Interview ist auf der Website der „tageszeitung“ zu finden: http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/ihr-steigt-um-dann-folgen-wir/


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