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„Die Zeit der Aufklärung ist vorbei, jetzt muss gehandelt werden“

Ein Gespräch über Klimawandel mit den beiden deutschen UN-Jugenddelegierten für die Generalversammlung Emily Büning und Falko Mohrs


Klimawandel-bekaempfen.de:
Emily, Falko, seit zwei Monaten seid Ihr beiden nun Jugenddelegierte. Was machen Jugenddelegierte eigentlich?

Falko: Also Kern des Programms ist, dass wir als Jugenddelegierte die deutsche Delegation zur Generalversammlung der Vereinten Nationen nach New York begleiten und dort als Berater in Jugendfragen tätig sind. Das bedeutet, dass wir mit der Delegation über alle Belange sprechen, die Jugend bewegt, die Jugend betrifft und dort dafür sorgen, dass die Belange der Jugend stärker berücksichtigt werden.

Emily: Um uns darauf vorzubereiten, reisen wir seit März durch Deutschland und reden mit möglichst vielen Jugendlichen – bei Jugendorganisationen, in Schulen oder bei Jugendkonferenzen und -kongressen – damit wir erfahren, was Jugend in Deutschland bewegt, welche aktuellen Probleme es gibt, wie Lösungen gefunden werden können und welche Handlungsdefizite in der Politik allgemein bestehen.

Klimawandel-bekaempfen.de: In welchen Städten ward Ihr denn schon im Rahmen Eurer Deutschlandtour und wohin fahrt Ihr noch?

Falko/Emily: Wir waren jetzt gerade in Homburg an der Saar, davor waren wir in Stuttgart und in Regensburg. Jetzt stehen Hamburg, Bonn und mehrfach Berlin auf dem Programm, danach Heidelberg, Frankfurt – quer durch Deutschland.

Klimawandel-bekaempfen.de: Was habt Ihr eigentlich gemacht, bevor Ihr Jugenddelegierte geworden seid?

Falko: Oh das ist so lange her, das andere Leben. Also ich mache eigentlich ein duales Studium bei Volkswagen: Transport- und Logistikmanagement, mit betriebswirtschaftlicher Ausrichtung. Außerdem mache ich sehr viel ehrenamtliche Jugendverbandsarbeit bei den Pfadfinderinnen und Pfadfindern, im VCP.

Emily: Ich habe Jura an der Bucerius Law School in Hamburg studiert, mit dem Schwerpunkt Völker- und Europarecht. Außerdem habe ich bei verschiedenen UN-Simulationen mitgemacht und ich bin sehr aktiv bei der Grünen Jugend.


Klimawandel-bekaempfen.de:
Und wann fahrt Ihr nach New York?

Emily: Voraussichtlich im Oktober für einen Monat.


Klimawandel-bekaempfen.de:
Seid Ihr auch ansonsten international unterwegs?

Falko: Emily wird im Juni in Genf an einer Klimawandelkonferenz teilnehmen. Ich werde nach Kap Verden zu einem Seminar zum Thema Capacity Building fahren und dort mit afrikanischen und europäischen Jugendlichen zusammenkommen.

Emily: Dann werden wir uns im Juli zu einem Vorbereitungstreffen mit den anderen europäischen Jugenddelegierten treffen, das wird in Lissabon sein und vom Europäischen Jugendforum ausgerichtet.


Klimawandel-bekaempfen.de:
Ihr seid also ehrenamtlich tätig, habt aber als Jugenddelegierte quasi einen Fulltimejob?

Emily: Genau.


Klimawandel-bekaempfen.de:
Ihr seid beide 24 Jahre alt, müsstet also in der ersten oder zweiten Klasse gewesen sein, als 1992 in Rio die Klimarahmenkonvention verabschiedet worden ist. Könnt Ihr euch daran erinnern, dass das Thema Klimawandel jemals kein brisantes politisches Thema gewesen ist? Oder würdet Ihr euch eher als Generation bezeichnen, die mit dem Klimawandel als Faktum und als Bedrohung aufgewachsen ist?

Falko: Sagen wir so, ich kann mich daran erinnern, dass das Thema Klimawandel nicht so in der Öffentlichkeit, im Bewusstsein gewesen ist, wie das jetzt der Fall ist. Und ich kann mich auch durchaus daran erinnern – das ist noch gar nicht lange her – dass man mit manchen Freunden und Bekannten erst noch streiten musste, dass der Klimawandel überhaupt existiert. Insofern gehören wir zur Generation, die damit aufwächst, die aber noch nicht von Anfang an mit dem Problembewusstsein aufgewachsen ist.


Klimawandel-bekaempfen.de:
Hat das Thema in der Schule irgendeine Rolle gespielt?

Emily: In verschiedenen Fachbereichen ist das schon mal angesprochen worden, aber nicht so, dass es richtig bearbeitet wurde.


Klimawandel-bekaempfen.de:
So richtig ist der Klimawandel wahrscheinlich durch den Film „Die unbequeme Wahrheit“ von Al Gore in die Öffentlichkeit gekommen und durch den gemeinsamen Friedensnobelpreis an Gore und den Weltklimarat. Dieses IPCC (International Panel on Climate Change) ist ein Wissenschaftlergremium, das letztlich ein Kind der UN ist und schon in den 80er Jahren gegründet wurde. Kanntet Ihr das IPCC und dessen Arbeit vor dem Nobelpreis?

Emily: Nein, vor dem Friedensnobelpreis hatte ich noch nie davon gehört.

Falko: Also, wenn ich ehrlich bin, ich auch nicht. Der Name oder die Abkürzung ist mit Sicherheit schon irgendwo gefallen oder man hat ihn mitbekommen. Und man kannte auch die Expertise dahinter. Aber als fester Begriff war mir das vorher nicht geläufig.


Klimawandel-bekaempfen.de:
Wenn Ihr an UNO und Klimawandel denkt, würdet Ihr dann eher an andere Gremien denken?

Emily: Ja, vor allem an UNEP (UN Environmental Programme) und an UNFCCC (UN Framework Convention on Climate Change).


Klimawandel-bekaempfen.de:
In welcher Rolle seht Ihr die UNO, wenn es um die Bewältigung des Klimawandels geht?

Emily: In einer ganz entscheidenden Rolle. Die UNO als Weltorganisation muss hier maßgeblich die Fäden in die Hand nehmen und weltweit die Staaten zusammenführen, damit der Klimawandel bekämpft wird. Und dies geschieht ja auch und wird hoffentlich bei den anstehenden Konferenzen – vor allem in Kopenhagen bei COP (Conference of the Parties)15 – vorangetrieben.

Falko: Ich denke die UN ist zweierlei, sie ist nämlich zum einen Arena in der das Klimaproblem behandelt wird. Sie ist  aber auch gleichzeitig Akteur mit Ihren verschiedenen Organisationen, um sowohl im kleinen wie auch im großen Projekte und Ansätze zu verfolgen, die dem Klimawandel wirksam begegnen können.


Klimawandel-bekaempfen.de:
Wir sind hier im Generalsekretariat der DGVN in Berlin. Falko, du kommst aus Wolfsburg, Emily, du aus Hamburg. Wie seid Ihr denn heute angereist?

Emily: Deutsche Bahn!

Falko: Ich bin heute auch pünktlich um 07.05 Uhr in den Zug gestiegen.


Klimawandel-bekaempfen.de:
Kennt einer von euch beiden seinen persönlichen CO2-Abdruck?

Falko: Nein.

Emily: Nein, ich auch nicht.


Klimawandel-bekaempfen.de:
Probiert das mal, man kann im Internet an verschiedenen Stellen relativ leicht herausfinden, wie sehr man selbst zum Klimawandel beiträgt. In jedem Fall wird er sich durch die anstehenden Flugreisen noch mal massiv zum Negativen hin entwickeln. Manche Fluglinien bieten an, Kompensationsleistungen zu finanzieren, um die Flugreise CO2-neutral zu gestalten oder jedenfalls CO2 ärmer. Kommt so etwas für eure anstehenden Flüge in Frage? Habt Ihr schon mal herausgefunden, was das kosten würde?

Emily: Nach Genf fahre ich extra mit der Bahn. Privat habe ich das mit der CO-2 Abgabe schon gemacht. Für die anstehende New York Reise haben wir uns zwar noch nicht nach den Kosten erkundigt. Aber wir werden das auf jeden Fall in Betracht ziehen. Im vergangenen Jahr wurden die Kosten dafür m.W. auch von den Trägern des Jugenddelegiertenprogramms übernommen.

Falko: Ich denke auch, dass so etwas in jedem Fall geprüft werden sollte, da haben wir auch eine Vorbildfunktion. Trotzdem finde ich es wichtig, darauf hinzuweisen, dass es nicht die einzige Antwort sein kann, sich selbst ein reines Gewissen zu verschaffen, indem man solche Ansätze als einzigen Ausweg sieht. Es ist ein Weg, aber nicht der einzige.

                                                     Lesen sie hier die Fortsetzung.

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