„Wenn wir es nicht schaffen, den Klimawandel zu bekämpfen, werden alle anderen Probleme dem untergeordnet werden müssen, weil dann für andere Fragen gar kein Gestaltungsspielraum mehr sein wird.“

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Klimawandel-bekaempfen.de: Falko, du hast ja von deinem Arbeitgeber VW eine Bahncard 100 gesponsert bekommen, damit du als Jugenddelegierte mobil bist. Bahnfahren und VW, klingt klimafreundlich, wäre es aber auch denkbar, dass du mit den VW-Azubis in einen Dialog über das umweltpolitische Für und Wider der Abwrackprämie eintreten kannst. 

Falko: Jedenfalls habe ich kein Redeverbot von meinem Arbeitgeber zu diesem Thema bekommen und bin frei zu sprechen und nachzudenken. Inwiefern das Thema nun mit Konzerangehörigen erörtert werden sollte und ob es da auch die nötige Unbefangenheit für eine offene Diskussion gibt, ist eine andere Frage.

Klimawandel-bekaempfen.de: Glaubst du, dass sich das Klima für mehr Klimafreundlicheit in Wolfburg vor dem Hintergrund der Sorge um den Arbeitsplatz in der Autobranche in den letzten acht oder neun Monaten noch mal verändert hat?

Falko: VW ist eines der Unternehmen in der Automobilindustrie, die sich dem Thema durchaus bewusst sind, die auch schon früh Ansätze dazu verfolgt haben. VW verfolgt teilweise auch eher unkonventionelle Ansätze, wie z.B. alle Dächer der Werkshallen in Wolfsburg mit Solarpanels auszustatten, insofern ist das schon ein Unternehmen, welches sich dessen bewusst ist. Auch wenn es natürlich Autoindustrie ist und bleibt und sicher zum Thema Klimaschutz manchmal ein etwas ambivalentes Verhältnis hat.

Klimawandel-bekaempfen.de: Emily, für dich als grüne Jugendvertreterin müsste doch eigentlich der Klimaschutz schon seit langem ein Thema sein. Was reizt dich denn nun besonders daran, auf internationaler Ebene aktiv zu werden? Wo glaubst du, wird man etwas bewegen können?

Emily: Auf internationaler Ebene gibt es sicher ganz viele Defizite, indem Staaten nun sagen: „Jetzt haben wir die Wirtschaftskrise, nun ist erstmal anderes wichtig.“ Da finde ich es aus der Jugendperspektive ganz wichtig zu sagen, „Ja wir haben jetzt zwar eine Wirtschaftskrise, aber jetzt ist eben der Zeitpunkt, wo wir anpacken müssen und Klimawandel mit der Wirtschaftskrise zusammen bekämpfen können“. Wo wir die verschiedenen Krisen gemeinsam anpacken und in allen Richtungen entscheidende Veränderungen treffen können. Da müssen wir den Klimawandel mit einbeziehen und da ist es eine große Herausforderung aus Jugendperspektive zu sagen: „Wir sind Gegenwart und Zukunft, für uns und mit uns muss der Klimawandel bekämpft werden. Und jetzt haben wir Staaten die Möglichkeit, dies zu tun, um wirklich eine Veränderung in Gang zu setzen und auch das Wirtschaftssystem mit Blick auf den Klimawandel umzustellen.“

Klimawandel-bekaempfen.de: Und wo wird da der Unterschied zwischen kommunaler und internationaler Ebene sein? Stellst du dir das noch mal schwerer vor, wird man weniger oder mehr erreichen können?

Emily: Eigentlich ist die internationale Staatenebene die Ebene, die die politischen Vorgaben macht, also die richtungweisend ist. Auf kommunaler Ebene werden dann die tatsächlichen Umsetzungen gemacht, also die praktischen Sachen, die angeschoben werden können. International ist es daher entscheidend und maßgeblich, ob und dass sich die Staaten verpflichten, verbindlich etwas zu tun.

Klimawandel-bekaempfen.de: Es gibt ein so genanntes "Weltaktionsprogramm für die Jugend“ auf das Ihr euch in eurer Arbeit bezieht. Was umfasst das dann für Themen? Ist da auch der Klimawandel berücksichtigt?

Emily: Das Weltaktionsprogramm für die Jugend umfasst 15 Themen, darunter Jugendpartizipation, Bildung, Jugend in bewaffneten Konflikten und auch das Thema Umwelt. Das ist zwar noch nicht spezifisch auf Klimawandel gemünzt, sondern generell. Aber es wird in diesem Jahr einen Weltjugendbericht geben, in welchem das Thema Klimawandel dann konkret angepackt wird.

Klimawandel-bekaempfen.de: Wann wird der erscheinen? Arbeitet Ihr daran mit?

Emily: Der Bericht erscheint voraussichtlich im Dezember und wir haben schon Kontakt mit den Verantwortlichen aufgenommen.

Falko: Prinzipiell ist jede und jeder dazu aufgerufen gewesen sich zu den Themen des diesjährigen Weltjugendberichts zu äußern. Die Frist ist inzwischen jedoch abgelaufen, und nun müssen wir schauen, wie wir es schaffen, nachträglich unsere Vorstellung darin einzubringen.

Klimawandel-bekaempfen.de: Wart Ihr schon mal in Bonn und habt die dortigen UNO-Einrichtungen besucht. Viele davon sind ja unmittelbar in die Bekämpfung des Klimawandels und dessen Auswirkungen involviert.

Emily: Wir waren noch nicht dort, wollen aber in jedem Fall mit den Organisationen in Bonn Kontakt aufnehmen.

Falko: Aber wir haben jetzt die Jugendkonferenz der DGVN Ende Mai in Bonn, und da werden wir sicher auch die Möglichkeit haben.
 
Klimawandel-bekaempfen.de:
Wie begegnen euch eigentlich Jugendliche, wenn Ihr sie auf das Thema Klimawandel ansprecht? Gibt es so etwas wie eine „Klimawandel nervt“ Stimmung oder ist das genaue Gegenteil der Fall. Seht Ihr die Gefahr, dass das Thema Klimaschutz zu einer hohlen Phrase verkommt?

Falko
: Ich glaube nicht, dass das Thema aus Sicht der Jugend ein Nervpotential hat. Was bei unseren Gesprächen aber schon deutlich geworden ist, dass viele Jugendliche gesagt haben, „Die Zeit der Aufklärung oder der rein inhaltlichen Arbeit an dem Thema ist eigentlich vorbei. Jetzt muss gehandelt werden, jetzt müssen ordnungspolitische Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit das Handeln einfach verbindlicher wird.“ Wo es bei Jugendlichen schwieriger und ambivalenter wird, ist, wenn es darum geht, das eigene Handeln zu hinterfragen. Ich denke schon, dass viele Jugendliche auch eine sehr konkrete Vorstellung davon haben, was getan werden muss. Eine andere Seite ist es dann aber, wie beim Rest der Menschheit leider auch, das eigene Handeln dem Klimabewusstsein dann auch tatsächlich unterzuordnen.

Klimawandel-bekaempfen.de: Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung ist unter 24 Jahre alt. In Deutschland ist es umgekehrt, hier wird die Gesellschaft stetig älter. Insofern seid Ihr doch in einer doppelt verzwickten Lage: Global seid Ihr als Vertreter der Jugend in der großen Mehrheit, national eher in der Minderheit. Und klimapolitisch zählt Ihr als Deutsche auch noch zur Gruppe der Hauptverursacher des Klimawandels. Ist dieses Spannungsverhältnis denn Jugendlichen hier in Deutschland überhaupt bewusst? Hat man bei alledem überhaupt noch Loyalität mit der Weltjugend? Gibt es Streit, wenn Ihr mit Jugendlichen über den Klimawandel sprecht?

Emily: Das kommt ganz darauf an, mit wem geredet wird. Aber es gibt schon viele Jugendliche, denen bewusst ist, dass es diesen Konflikt zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern gibt und dass wir als Jugendliche in Deutschland mit unseren Lebensweisen massiv zum Klimawandel beitragen, und viele junge Menschen, die unter den Folgen leiden, die wir produzieren. Wir haben viele Jugendliche getroffen, die sich damit schon beschäftigt haben.

Falko: Streit ist bislang noch nicht so richtig offen in unseren Gesprächen heraus gekommen. Ich denke, das hängt vielleicht schon damit zusammen, dass wir es doch immer auch mit einer recht homogenen Gruppe zu tun haben. Wir hatten bislang kein Treffen, wo wir das Thema Klimawandel mit einer sehr breiten Gruppe besprochen haben, insofern waren bisher die Ansichten nicht so weit gefächert. Ansonsten denke ich schon, dass es sehr unterschiedlich ist, wie das Thema bei  Jugendlichen in Deutschland im Bewusstsein ist und wie Einzelne und Gruppe bereit sind, sich selbst und Ihre eigenen Lebens- und Handlungsweisen zu hinterfragen und Klimaschutzzielen unterzuordnen.

Klimawandel-bekaempfen.de:
Habt ihr das auch im Gespräch mit politischen Jugendvertretern festgestellt? Auf Eurer Webseite ist zu lesen, dass Ihr vor kurzem bei den JULIs gewesen seid und Euer Programm vorgestellt habt.

Falko: Wir haben das Thema bei den Julis zwar nicht besprochen, aber spannenderweise sind die Meinungen bei den Jugendorganisationen gar nicht so weit voneinander entfernt. Also wenn man sich die Positionspapiere anschaut dann scheint die Sichtweise unter den Jugendlichen sehr viel dichter beieinander und sehr viel deutlicher in Richtung „Klimawandel muss bekämpft werden“, als das bei den Erwachsenen und Parteien der Fall ist.

Emily: Meistens ist es auch schon so, dass politische Jugendorganisationen alle auch das Ziel haben den Klimawandel zu bewältigen. Es sind dann unterschiedliche politische Maßnahmen, über die gestritten wird.

Klimawandel-bekaempfen.de: Auf der DVD „Den Klimawandel bekämpfen“ hat die DGVN eine animierte Weltkarte bei der man die Staaten und Kontinente entlang ihres CO2-Ausstoßes größer oder kleiner machen kann. Die Welt sieht dann ziemlich anders aus. Afrika verschwindet regelrecht, auch andere Regionen werden winzig, während demgegenüber die USA und Europa deutlich sichtbar sind. Seht ihr in den tatsächlichen CO2-Emissionen auch nicht viel Streitpotential für eure internationale Aufgabe. Besteht nicht die Sorge, dass Ihr als Jugenddelegierte rasch in die gleichen Fronten hineingelangt, in denen die Regierungen häufig auch sind, wenn z.B. die Europäer und andere Groß-Emittenten zu hören bekommen: „Fangt Ihr doch erst mal mit dem Klimaschutz an, wenn wir Entwicklungs- und Schwellenländer irgendwann bei euerm CO2-Pro Kopf Ausstoß sind, können wir weiterreden“.

Emily: Ich würde auch sagen, dass dieses Konfliktpotential in jedem Fall da ist und wir überlegen müssen, inwieweit wir als Industriestaaten massiv handeln müssen, bevor überhaupt erwartet werden kann, dass in Entwicklungsländern etwas getan wird. Das gilt auch für die Frage inwieweit von den Entwicklungsländern nachhaltige Entwicklung erwartet werden muss. Da ist es sicher unserer Aufgabe, Wissen zur Verfügung zu stellen und die finanzielle Mittel.

Klimawandel-bekaempfen.de: Wisst Ihr, aus welchen Ländern in diesem Jahr Jugenddelegierte kommen werden? Davon wird doch auch abhängen, ob das Thema Klimawandel eine Rolle spielen und ob es kontrovers diskutiert werden wird.

Emily: Bislang wissen wir nur von einigen europäischen Staaten die sicher Jugenddelegierte schicken werden, Schweiz und Niederlande zum Beispiel. In der Vergangenheit kamen aber auch Jugenddelegierte aus Thailand und Ghana, und die werden voraussichtlich auch dieses Jahr wieder dabei sein.

Klimawandel-bekaempfen.de: Werdet Ihr eine Rede in New York halten? Wird das Thema Klimawandel da eine Rolle spielen?

Falko: Eine Rede werden wir halten, wir sind allerdings noch nicht soweit, um schon Schwerpunkte zu setzen. Aber bei der Brisanz und Bedeutung des Klimawandels kommt man auch nicht darum herum, zumal deutlich ist: Wenn wir es nicht schaffen, den Klimawandel zu bekämpfen, werden alle anderen Probleme dem untergeordnet werden müssen, weil dann für andere Fragen gar kein Gestaltungsspielraum mehr sein wird.

Klimawandel-bekaempfen.de: Ist die Rede dann auch der geeignete Ort für Selbstkritik, sozusagen als Appell an das eigene Land, die eigene Jugend oder geht so etwas bei der UNO nicht?

Emily: Also ich denke, die Rede ist schon der geeignete Ort, um solche Appelle an die Industriestaaten zu richten.

Falko: Ich denke auch, dass man das klar sagen kann, und dass Jugend eine unvoreingenommenere Rolle einnehmen und einen anderen Blick auf die historische Klimaverantwortung werfen darf, als dies vielleicht die ältere Generation tut oder Regierungen können.

Klimawandel-bekaempfen.de: Greenpeace appelliert dafür und präsentiert auf seiner Webseite eine Kampagne, um den Klimaschutz ins Grundgesetz und sogar in die UN-Charta aufzunehmen. Was haltet Ihr eigentlich von solchen Ideen. Emily, du kommst  aus der politischen Jugendarbeit. Braucht man nicht auch ein konkretes Ziel, wenn man etwas erreichen will?

Emily: Also ich finde solche Kampagnen, um Aufmerksamkeit zu erregen grundsätzlich gut. Und ich finde es wichtig, dass gerade zum Klimawandel so viele Kampagnen laufen. Dass es also auch Organisationen gibt, die sich dem widmen, wie z.B. die Gloablclimatecampaign. Den konkreten Punkt Klimaschutz ins GG und in die UNO-Charta aufzunehmen halte ich aber für nicht richtig.

Klimawandel-bekaempfen.de: Habt Ihr auch eine Aktion vor, um Aufmerksamkeit für die Themen zu erregen, die Euch wichtig sind?

Falko: Also ich denke, dass die Deutschlandtour nicht der richtige Ort für Kampagnen ist. Bei der Tour geht es eher darum, Lebenswelten von Jugendlichen zu begreifen und andererseits das Thema UN der Jugend näher zu bringen. Inwieweit dann vielleicht insgesamt aus den Erkenntnissen der Deutschlandtour und den Erlebnissen in New York das eine oder andere Thema weiterverfolgt wird, muss sich zeigen.

Emily: In New York ist es aber schon so, dass wir zusammen mit den anderen Jugenddelegierten auf jeden Fall ein „Side Event“ organisieren werden. Und in den vergangenen Jahren haben die Jugenddelegierten z.B. auch an der Millenniumskampagne mitgemacht. Insofern denke ich schon, dass wir uns auch an ein paar Aktionen beteiligen werden. Dass das zum Klimawandel sein wird, kann gut sein, weil dann auch die Koopenhagen-Konferenz näher rückt. Allerdings müssen wir das noch mit den anderen Jugenddelegierten absprechen.

Klimawandel-bekaempfen.de: Mündet so etwas dann auch in gemeinsame politische Ziele oder Forderungen der „Welt-Jugend-Delegierten“?

Emily: Das ist gut möglich.

Falko: Ich denke auch, dass das Netzwerk der internationalen Jugenddelegierten für so etwas genutzt werden kann. Nicht nur mit Perspektive auf den kurzen Zeitraum und unseren gemeinsamen Moment bei der Generalversammlung beschränkt, sondern auch allgemein.

Klimawandel-bekaempfen.de: Zum Schluss nochmal zu eurem persönlichen Klimaschutz: UNDP (UN Development Programme) gibt 12 einfache Dinge an, die man in seinem täglichen Handeln berücksichtigen sollte, angefangen von Reifendruck kontrollieren, über das Vermeiden von Plastiktüten bis zum dosierten Wasser kochen. Wieviele davon könnt Ihr für Euch guten Gewissens abhaken?

Falko: Ich bin auf sieben Haken gekommen.

Emily: Auf mich treffen die ganzen Autosachen nicht so richtig zu, ansonsten bis auf eines alle.

Klimawandel-bekaempfen.de: Emily, Falko vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg.

(Das Gespräch führte Alfredo Märker)
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Hören Sie Emily und Falko hier im Orignialton

+++ Weitere Informationen über die UNO-Jugenddelegierten, die Tourstationen und Ergebnisse ihres Engagements gibt es unter www.jugenddelegierte.de