„Das ist heute schon ein schwarzer Tag für die Klimaforschung, denn der Gipfel hat nicht gebracht, was man erwartet hat, geschweige denn verbindliche Reduktionsziele zu Senkung der Treibhausgase.“ So bewertete der bekannte Kieler Klimaforscher Mojib Latif die Ergebnisse der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen in einem „Tagesschau“-Interview. Am Ende des Interviews äußerte er: „Das Scheitern in Kopenhagen ist sicher nicht das Ende der Welt, aber wir kommen ihm, um in diesem Bild zu bleiben, ein kleines Stückchen näher. Es wäre selbstverständlich immer noch in Ordnung, wenn im nächsten Jahr ein verbindliches Abkommen ratifiziert werden würde, aber ich habe jetzt die letzten 20 Jahre eigentlich immer das Gleiche gehört, dass im nächsten Jahr der Durchbruch gelingt. So langsam fehlt mir der Glauben.“
Dass der Entwurf für eine Schlusserklärung von den Vertreterinnen und Vertretern von über 190 Ländern nur „zur Kenntnis genommen“ wurde, markierte für viele einen Tiefpunkt in den jahrelangen Bemühungen um ein neues Klimaabkommen, andere sehen dagegen die Konferenz in Kopenhagen als Erfolg an. Wir haben eine Reihe von Stellungnahmen zum Konferenzergebnis zusammengestellt:
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sprach von einem Erfolg der Konferenz und betonte, die Wirksamkeit der Ergebnisse werde sich zum Beispiel zeigen, wenn die versprochenen Gelder fließen würden. "Es mag nicht alles sein, was sich alle erhofft hatten", sagte Ban. "Aber es ist ein Anfang, ein wichtiger Anfang." Nun bleibe die Aufgabe, ein rechtlich verbindliches UN-Klimaabkommen abzuschließen. Dies soll frühestens Ende nächsten Jahres geschehen.
Der Chef des UN-Klimasekretariats Yvo der Boer bemühte sich ebenfalls um eine positive Bewertung der Ergebnisse der Klimakonferenz: "Wenn so viele Staats- und Regierungschefs zusammenkommen, entscheiden sie normalerweise über zwei oder drei zentrale Punkte und gehen nicht selbst in die Details." Allein schon die Tatsache, dass man rund 120 Staatenlenker an einen Tisch gebracht habe, um über den Klimawandel zu verhandeln, sei ein Erfolg.
Der "Copenhagen Accord" enthalte außerdem "bedeutende Elemente" wie etwa die Einigung, die Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit, Zusagen der Industriestaaten für Finanzhilfen an die Entwicklungsländer sowie Einigungen über Themen wie Technologietransfer und Waldschutz.
Yvo de Boer räumte ein, dass er sich klare Ziele für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen gewünscht hätte. Auf dem Weg zur nächsten UN-Klimakonferenz in einem Jahr in Mexiko "gibt es noch sehr viel zu tun".
Insgesamt sei das Dokument von Kopenhagen ein "politisch unglaublich bedeutsames Abkommen", sagte de Boer. "Es ist ein Zeichen des Willens, voranzuschreiten." Er betonte auch, dass die Zeit immer knapper werde, um die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen: „In Mexiko werden wir versuchen, all das zu beschließen, was wir hier nicht beschlossen haben."
Rajendra Pachauri, Vorsitzender des Weltklimarates IPCC, betonte in einem Gespräch mit „Spiegel Online“ am Ende der Klimakonferenz: "Das Papier ist nur der Beginn der Arbeit an einem echten Vertrag." Positiv sei die Aufnahme des Zwei-Grad-Ziels in das Dokument zu bewerten: "Das ist für uns Forscher ein Erfolg. Erstmals ist es in ein politisches Ziel umgesetzt." Außerdem habe man jetzt ein Regelwerk, um künftig die Einhaltung der Emissionsreduzierungen zu überwachen: "Da hat sich zum Glück nicht die Sprache Chinas durchgesetzt."
Der indische Klimaexperte kritisierte an dem Abschlusstext aber: "Ich finde darin keine einzige konkrete Zahl." Man habe wertvolle Zeit verspielt. "Und jedes Jahr, das wir verlieren, lässt die Summen explodieren, die uns die Begrenzung des Klimawandels später kosten wird."
Pachauri zeigte sich gegenüber „Spiegel Online“ besorgt darüber, dass er in Kopenhagen einen gefährlichen Stimmungswandel ausgemacht habe: "Bei der letzten Klimakonferenz in Bali lag eine positive Atmosphäre über allem, endlich das Problem anzupacken." Dieser Geist sei fast vollständig verloren gegangen. Pachauri hofft auf die Verhandlungen im nächsten Jahr: "Wenn dann noch die Weltwirtschaft wieder anspringt, bekommen wir hoffentlich wieder eine neue Dynamik in den Prozess.“ Die Kritik an einer Mammutkonferenz der 192 Staaten teilt Pachauri nicht: "Wir haben keine Alternative. Der Klimawandel ist ein globales Problem und kann folglich nur im Einvernehmen aller gelöst werden." Dabei gehe es auch um die Finanzierung der Klimaschäden: "Deshalb müssen alle Staaten mit am Tisch sitzen."
Sein Land werde "dieses Dokument nicht akzeptieren", sagte der Vertreter des Inselstaats Tuvalu, Ian Fry, in der nächtlichen Sitzung am frühen Samstagmorgen im Konferenzplenum, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. "Unsere Zukunft steht nicht zum Verkauf", sagte Fry mit Blick auf die finanziellen Angebote im Konferenztext. "Sie boten 30 Silberlinge für den Verrat an unserer Zukunft", fügte er in Abwandlung eines Bibelzitats hinzu. Angesichts des Fehlens ehrgeizige Klimaziele in der Übereinkunft äußerte er die Befürchtung, dies wäre "das Ende von Tuvalu".
US-Präsident Barack Obama bezeichnete den Klimakonsens als „wichtigen Durchbruch“. „Zum ersten Mal in der Geschichte sind alle größeren Volkswirtschaften der Welt zusammengekommen, um ihre Verantwortung zum Handeln angesichts des drohenden Klimawandels zu akzeptieren“, erklärte Obama nach der Rückkehr in die USA. Der erreichte Konsens bereite den Weg für ein internationales Handeln in den kommenden Jahren. Der US-Präsident räumte jedoch ein, die Verhandlungen seien extrem schwierig und komplex gewesen.
China hat die Ergebnisse des Weltklimagipfels positiv bewertet. Der Gipfel habe "bedeutende und positive Früchte" gebracht, sagte Außenminister Yang Jiechi in Peking. Allerdings sei er "nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang" gewesen, um die Probleme durch den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Chinas Klimaziele seien wissenschaftlich begründet und vernünftig, sie seien nicht verhandelbar, hieß es weiter. Bei der Konferenz sei das Prinzip der "gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortlichkeiten" erhalten geblieben, und es wurde ein "fester Schritt" in Richtung zu einer Verpflichtung der Industriestaaten getan, den Ausstoß von Kohlendioxid zu beschränken. Außerdem habe man sich über die Finanzierung und technologische Unterstützung für Entwicklungsländer geeinigt.
Die Vereinbarung von Kopenhagen sei «gut für alle Entwicklungsländer», erklärte der indische Umweltminister Jairam Ramesh. So habe man sich auf Transparenz-Mechanismen verständigt, die die staatliche Souveränität «schützen». Premier Manmohan Singh räumte ein, dass man bei der Klimakonferenz hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Dennoch nannte er die Konferenz in Kopenhagen einen «Meilenstein». Singh fügte hinzu, Indien werde in den kommenden Jahren den Ausstoß umweltschädlicher Treibhausgase verringern. Dafür haben die Regierung ambitionierte Programme auf den Weg gebracht.
Der Schweizer Umweltminister Moritz Leuenberger hat in einem Interview mit der Zeitung "SonntagsBlick“ die Art kritisiert, wie Dänemark die Verhandlungen am UN-Klimagipfel organisiert hat. Die dänische Präsidentschaft habe "etwas grobschlächtig gewikingert". Er fügte hinzu: "Wie das durchgezogen wurde, wie viele Delegierte bis zum Schluss über den Verfahrensstand im Ungewissen gelassen wurden, wie dann zum Ende des Gipfels noch einige - zugegeben wichtige - Staatschefs kamen und selbst verhandelten, das hatte keinen demokratischen Stil. Das wäre auch anders gegangen."
Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte vor ihrem Abflug aus der dänischen Hauptstadt: "Die Verhandlungen waren extrem schwierig, und ich muss auch sagen, dass ich das Ergebnis mit sehr gemischten Gefühlen sehe." Letztlich habe sie zugestimmt, um ein völliges Scheitern der Verhandlungen und einen Abbruch des Klimaschutzprozesses zu verhindern. Nun könne er weiter gehen. Allerdings stünden noch langwierige Verhandlungen bevor: "Der Weg zu einem neuen Abkommen ist noch sehr weit."
Nach der Rückkehr aus Kopenhagen sagte die Bundeskanzlerin angesichts harscher Kritik an den mangelnden Ergebnissen des Weltklimagipfels gegenüber der „Bild am Sonntag“, Kopenhagen sei "ein erster Schritt hin zu einer neuen Weltklimaordnung, nicht mehr, aber auch nicht weniger". Sie fügte hinzu: "Wer Kopenhagen jetzt nur schlechtredet, beteiligt sich am Geschäft derer, die bremsen, statt voranzugehen." Angela Merkel verwies auf die besondere Verantwortung Deutschlands für den nächsten Schritt beim globalen Klimaschutz: "Auf Kopenhagen muss jetzt aufgebaut werden."
Bundesumweltminister Norbert Röttgen äußerte sich ernüchtert über das Konferenzergebnis. "Das ist viel weniger als gedacht", sagte er in Kopenhagen. "Aber das ist jetzt die Basis, die man in konkrete Politik einführen kann. Es ist ganz wichtig, jetzt den Blick nach vorn zu richten." Deutschland habe einen politischen Beschluss durchsetzen wollen. Inhaltlich habe man bereits Abstriche machen müssen. Zudem sei der "Copenhagen Accord" kein förmlicher Beschluss der UN-Konferenz der 193 Staaten.
Nach dem Scheitern des Klimagipfels von Kopenhagen fordert Entwicklungsminister Dirk Niebel zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung des CO2-Ausstoßes. „Wer die Luft verschmutzt, muss zahlen", sagte Niebel der „Welt am Sonntag". Auch Autos und Flugzeuge sollten in den Emissionshandel einbezogen werden. Auf die Frage nach dem Beitrag der Entwicklungsländer antwortete er: „Wenn die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt werden soll, müssen die Entwicklungsländer bei der Industrialisierung einen nachhaltigeren Weg gehen. Dabei werden wir sie unterstützen. Schwellenländer, die bald selbst Industrieland sind, können Investitionen in erneuerbare Energien oder den Schutz von Wäldern schon zum Teil selbst zahlen.“
Bundesaußenminister Guido Westerwelle setzt nach dem Mini-Kompromiss in Kopenhagen auf die Klima-Konferenz in Bonn im kommenden Jahr. Europa werde weiter eine Vorreiterrolle spielen, könne jedoch das Weltklima nicht allein retten, sagte der FDP-Politiker der "Saarbrücker Zeitung". "Erfolg können wir nur haben, wenn alle Länder mitziehen." Westerwelle hält eine stärkere Einbeziehung von China, Indien, Brasilien und anderen Schwellenländern beim Klimaschutz für notwendig. In Kopenhagen habe sich gezeigt, welche wichtige Rolle diese Länder spielten. „Wir müssen Wege finden, die großen Zukunftsfragen mit ihnen zu lösen. Ohne sie geht es nicht."
"Ich finde, es ist eine Schande, wie die Staats- und Regierungschefs die Zukunft ihrer eigenen Kinder und Enkelkinder aufs Spiel setzen", äußerte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel. "International ist das eine mittlere Katastrophe", kritisierte der frühere Umweltminister. In der "Bild am Sonntag" forderte er die Bundesregierung und die EU auf, an den ehrgeizigen Kohlendioxideinsparungszielen festzuhalten. "Die Europäische Union muss bei ihrem Versprechen bleiben, die CO2-Emissionen um 30 Prozent zu senken - auch nach dem Scheitern von Kopenhagen. Nur so kann die EU verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen und möglichst schnell glaubwürdig einen neuen Anlauf für ein verbindliches Abkommen unternehmen." Von Bundeskanzlerin Merkel forderte Gabriel, am 40-Prozent-Ziel festzuhalten.
Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast gab Bundeskanzlerin Merkel eine Mitschuld am "Desaster von Kopenhagen". Künast warf ihr vor, sie habe auf dem Weltklimagipfel "in alter Manier blockiert", statt mit Deutschland und der EU allen voranzugehen: "Sie hat konkrete Finanzzusagen an die Entwicklungsländer vor der Konferenz genauso verhindert wie eine Erhöhung der europäischen Minderungsziele auf 30 Prozent." Nicht einmal in ihrer Rede vor der Klimakonferenz habe Merkel Akzente gesetzt und neue Angebote gemacht, kritisierte Künast. "Spätestens jetzt ist die selbst ernannte Klimakanzlerin endgültig Geschichte."
„Statt eines neuen, rechtlich verbindlichen Klimaschutzabkommens halten wir nun wieder gar nichts in den Händen. Der Kopenhagener Gipfel ist damit gescheitert, viel heiße Luft statt konkreter Verpflichtungen.“ So bewertete die umweltpolitische Sprecherin der Partei Die Linke Eva Bulling-Schröter die Ergebnisse der Klimakonferenz. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Umweltausschusses des Bundestags.
Bulling-Schröter erklärt weiter: „Es hilft kein Schönreden mehr, mit diesem Ergebnis rasen wir ins Klimachaos. Die EU und Deutschland haben bis zur letzten Minute lieber gepokert, als durch eine Vorreiterrolle die anderen Länder mitzureißen. Warum hat sich die EU nicht frühzeitig zum längst beschlossenen minus 30%-Ziel bekannt? Das ist keine Verhandlungsstrategie, sondern nur noch zynisch. Angesichts von Millionen Menschen, deren Überleben schon heute durch den Klimawandel bedroht ist, hätte ich einfach mehr Menschlichkeit erwartet."
Peter Lemke, der Leiter des Fachbereich Klimawissenschaften am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, bewerte das Ergebnis von Kopenhagen in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ so: „Der Minimalkompromiss ist eine große Enttäuschung, denn die Länder haben sich ja nicht auf ein konkretes Ziel geeinigt. Sie wollen zwar die Klimaerwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzen und sagen, dass dafür etwas getan werden soll. Doch was eigentlich passieren soll, das wird im Minimalkonsens nur in einem Anhang erwähnt. Danach soll jedes Land bis zum 1. Februar 2010 selbst festlegen, was es tun wird. Das wird sicherlich nicht ausreichen, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Zudem ist das kein wirklicher Konsens. Jedes Land kann im Nachhinein bestimmen, ob es seine Treibhausgase um fünf, zehn oder mehr Prozent reduzieren will. Der Minimalkompromiss ist natürlich kein Nachfolge-Vertrag für Kyoto. Und deswegen ist in meinen Augen der Klimagipfel eigentlich gescheitert.“
Jochem Marotzke, Direktor des Hamburger Max-Planck-Institutes für Meteorologie äußerte in einem „Stern“-Interview nach dem Ende der Klimakonferenz: „In Kopenhagen wurde das Dilemma zwischen dem, was langfristig wünschenswert und dem, was für die Länder kurzfristig gut ist, sehr deutlich. Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten oder sich als Land weiterzuentwickeln, ist ja eine legitime Idee. Sie steht nur oft den langfristigen Klimaschutzzielen entgegen. Es wird allerdings Zeit, von der Vorstellung wegzugehen, dass Klimaschutz eine Belastung ist. Wir müssen die grüne Wende als Chance sehen, was nach den Bildern von Kopenhagen sicher erst einmal schwer ist.“
Auf die Frage danach, ob übernationale Lösungen noch möglich oder Klimaschutz nun auf nationaler Ebene erfolgen sollte, antwortete er: „Ich glaube nicht, dass globale Lösungen endgültig gescheitert sind. Man muss es erneut versuchen. Nationale Wege sind hilfreich als Fingerzeige, aber CO2-Emissionen sind nun einmal ein globales Problem. Insofern haben wir keine andere Wahl, als globale Lösungen anzustreben. Ich sehe keine andere Lösung, sonst öffnen sich immer wieder Schlupflöcher für Staaten, die nicht mitspielen wollen.“
Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans-Joachim Schellnhuber, sagte nach dem Kompromiss von Kopenhagen: „Das Spiel ist noch gar nicht vorbei. Die müssen jetzt in die Verlängerung.“ Schellnhuber sagte dem „Tagesspiegel“: „Wir müssen trotz aller Enttäuschung den Blick nach vorn richten.“ Zumindest mache der Kompromiss mit der Nennung des Ziels, die globale Erwärmung unter zwei Grad des vorindustriellen Niveaus zu halten, die Wissenschaft zur Richtschnur des Handelns. Er kritisierte aber, dass diese Erkenntnis sich nicht in den Zielvorgaben für die Emissionsminderung von Industrie- und Entwicklungsländern niedergeschlagen habe. Schellnhuber erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, noch sei nichts verloren. "Mit den derzeitigen Zusagen, sind wir aber sehr weit vom Zwei-Grad-Ziel entfernt. Es läuft auf etwa 3 bis 4 Grad hinaus."
"Kopenhagen ist heute Nacht Schauplatz eines Verbrechens, und die schuldigen Männer und Frauen flüchten zum Flughafen." Dies äußerte John Sauven, der verantwortliche Direktor von Greenpeace Großbritannien, gegenüber der BBC im Blick auf die Staats- und Regierungschefs der mächtigen Länder.
Die BUND-Umweltschützer Vorsitzende Hubert Weiger erklärte, es sei eine Bankrotterklärung der Staats- und Regierungschefs, dass nach jahrelangen Vorverhandlungen am Ende der Konferenz keine ausreichenden Beschlüsse stünden: „Das Kopenhagen-Ergebnis ist eine Ohrfeige für das Weltklima und die ärmsten Staaten der Erde, die unter den Folgen des Klimawandels am meisten leiden.“ Die Bemühungen um mehr Klimaschutz seien um Jahre zurückgeworfen worden, erklärte Weiger: „Es wird immer unwahrscheinlicher, dass es auch künftig internationale Verpflichtungen zum Klimaschutz geben wird.“ Hauptverantwortlich für das Scheitern des Gipfels ist nach Einschätzung Weigers die Weigerung der Industriestaaten, ihre CO2-Minderungsziele und die Finanzzusagen für Entwicklungsländer aufzustocken und einen konkreten Zeitplan für Klimaschutzmaßnahmen vorzulegen. Er fügte hinzu: "Was die Welt braucht, sind schnell Fortschritte bei der Minderung der Treibhausgase. Jede weitere Verzögerung ist ein Sargnagel für die Zukunft der Menschheit. Die Industriestaaten müssen sich endlich bewegen und ihre bisher schwachen Angebote zum Klimaschutz deutlich aufstocken. Schlupflöcher, die reale Emissionsminderungen verhindern, sind zu schließen. Dafür hat die Staatengemeinschaft sechs Monate Zeit, bevor sie zum nächsten Weltklimagipfel aufbricht."
Die Natur- und Umweltschutzorganisation NABU kritisierte den faulen Kompromiss in letzter Sekunde in Kopenhangen. „Um ein totales Scheitern des Gipfels abzuwenden, haben die Staats- und Regierungschefs krampfhaft nach einem Rettungsanker gesucht. Statt eines völkerrechtlich verbindlichen Weltklimaabkommens haben wir nur eine weitere und äußerst schwache Absichtserklärung bekommen“, kritisierte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Weder bei den Verpflichtungen zur Verringerung der schädlichen Treibhausgas-Emissionen noch bei der Unterstützung der Entwicklungsländer im Kampf gegen den Klimawandel gebe es ausreichende Fortschritte, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen.
Die internationale Klimapolitik sei durch die Einzelinteressen der großen Wirtschaftsmächte untergraben worden. „Wir brauchen eine Stärkung der UN-Institutionen. Solange jeder Staat sein Veto einlegen kann, wird kein ernst zu nehmendes Abkommen zustande kommen. Bei Vertragsbrüchen muss es zudem künftig Strafen geben, damit die internationalen Umweltkonventionen mehr Durchschlagskraft bekommen“, so Olaf Tschimpke.
Als „reine Farce“ bezeichnete das globalisierungskritische Netzwerk Attac die Ergebnisse des UN-Klimagipfels. „Kopenhagen war höchstens in Bezug auf das Ausmaß seines Scheiterns ein historischer Gipfel“, erklärte Attac-Klimaexperte Chris Methmann. „Dies nun mit einem Formelkompromiss noch als Fortschritt verkaufen zu wollen, ist ein Schlag ins Gesicht der Milliarden Menschen, die unter den Folgen des Klimawandels leiden werden, ohne etwas zu seinen Ursachen beigetragen zu haben.“
"Mehr als 120 Regierungschefs waren sich einig - der Klimaschutz ist eine der größten Herausforderungen des Jahrhunderts. Wortgewaltig beschworen sie auf dem Klimagipfel: Jetzt ist die Zeit des Handelns gekommen. Die Ergebnisse des Klimagipfels von Kopenhagen stehen dazu in einem merkwürdigen Missverhältnis." Das äußerte Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. "Erstens stimmt die Ambition des Klimaschutzes nicht. Die Welt ist damit eher auf einem Pfad in Richtung 3,5 Grad Temperaturanstieg als 2 oder gar 1,5 Grad. Zweitens ist bei den Finanzzusagen für 2020 von insgesamt 100 Milliarden Dollar für Klima- und Regenwaldschutz sowie Anpassung nicht sichergestellt, dass es sich hier nicht um einfach um Umetikettierung von Geldern der Armutsbekämpfung handelt. Drittens ist auch nicht klar, ob die USA, China und andere Schwellenländer in wenigen Monaten in einem rechtlich verbindlichen Abkommen gebunden sein werden. Damit ist zwar sichergestellt, dass weltweit der Zug weiter in Richtung Klimaschutz fährt - aber die Geschwindigkeit ist viel zu langsam. Hier muss schon in den nächsten Monaten nachgebessert werden."
Der Klimagipfel in Kopenhagen endete für den WWF mit einer herben Enttäuschung. Die angereisten Staats- und Regierungschefs hatten zwar teilweise vollmundige Erklärungen im Gepäck, sie schafften es jedoch nicht, ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen auf den Weg zu bringen. „Es reicht nicht, sich dazu zu bekennen, die globale Erwärmung auf einen Anstieg unter zwei Grad begrenzen zu wollen, dann aber keine konkreten Ziele und Maßnahmen zu vereinbaren, so Regine Günther, Leiterin des Klimabereichs beim WWF Deutschland. Man habe kostbare Zeit verloren, die den Kampf gegen den Klimawandel weiter erschwere.
Der WWF fordert die Staats- und Regierungschefs auf, dort weiterzumachen, wo man in Kopenhagen aufgehört habe. Von dem Debakel in Dänemark müsse man bei den kommenden Konferenzen lernen. Weder in Finanzierungsfragen noch bei der Zielsetzung oder der internationalen Überprüfung sei ein Durchbruch erzielt worden. Die Konferenz habe keinen der zehn wichtigsten Punkte abgearbeitet.
Das katholische Hilfswerk Misereor bezeichnete das Konferenzergebnis als „Schande für die Industrieländer und eine Katastrophe für die Menschen in den Entwicklungsländern“. Der für Misereor zuständige Hamburger Erzbischof Werner Thissen äußerte, er sei entsetzt: „Es ist unverantwortlich, dass diese historische Chance nicht genutzt wurde und das Klima-Abkommen aufgrund wirtschaftlicher Interessen gescheitert ist.“ Das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, sei in weite Ferne gerückt: „Was mich so aufregt, ist, dass alle um die schlimmen Folgen wissen.“
Die Klimakonferenz in Kopenhagen sei weit hinter dem Ziel zurück, ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll zu verabschieden. Die Ergebnisse seien „zu wenig und enttäuschend“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch:. "Hier war mehr drin und ich frage mich, wie zielgerichtet können künftige Großkonferenzen noch arbeiten?" Der Klimawandel sei eine ethische Herausforderung, der sich alle Staaten in Solidarität und Verantwortung für das globale Gemeinwohl stellen müssten.
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischöfin Margot Käßmann, äußerte sich enttäuscht über den Ausgang des UN-Klimagipfels. Es sei "wirklich traurig", dass die mit großen Hoffnungen erwartete Tagung ohne jedes konkrete Ergebnis ende, das den Klimaschutz substanziell stärke. Käßmann rief die Menschen dazu auf, sich nicht entmutigen zu lassen und sich weiter für eine gerechte Klimapolitik zu engagieren.
Die Regierungen der Industrieländer forderte Käßmann auf, das Erreichen wirksamer Klimaschutzziele mit Vehemenz weiter zu verfolgen. Sie dürften jetzt nicht nachlassen, denn die Lebensgrundlagen vieler Millionen Menschen seien durch eine ausufernde Kohlendioxid-Belastung der Atmosphäre in Gefahr. "Es gibt auch ein zu spät", warnte sie.
„Taktiert, gezaudert, verloren. Der Gipfel ist nicht erst in Kopenhagen gescheitert, sondern bereits auf dem Weg dorthin“, kritisiert „Brot für die Welt“-Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel: „Viel zu lange haben Bundesregierung und EU taktiert, um die Kosten niedrig zu halten und damit den Entwicklungsländern jedes Vertrauen in die Einsichtsfähigkeit und Handlungsbereitschaft der EU genommen. Dass die EU-Regierungschefs Ende vergangener Woche kein positives Signal für ihre Reduktionsbereitschaft und für eine langfristige Finanzierungsbereitschaft für Anpassungsmaßnahmen gegeben haben, war fatal. Damit haben wir uns in die Hände derjenigen gespielt, die von Anfang an nicht an einem ambitionierten, fairen und vor allem auch verbindlichen Abkommen interessiert waren – zum Beispiel China."
Zusammenstellung: Frank Kürschner-Pelkmann
Foto: Michael Sondermann