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Vereinte Nationen & int. Organisationen | 11.11.2009

Der UN-Weltklimareport als Taschenbuch

UN-WeltklimareportDie Berichte des „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) bilden die Grundlage der internationalen Klimadiskussion im Vorfeld der UN-Klimakonferenz im Dezember 2009 in Kopenhagen. Aber abgesehen von einigen Fachleuten wird kaum jemand sich durch mehrere tausend Seiten Analysen und Bewertungen arbeiten. Deshalb ist es zu begrüßen, dass die Arbeitsberichte und die Diskussionen, die sie ausgelöst haben, in einem Taschenbuch zusammengefasst worden sind. Angereichert wird diese Darstellung um Beiträge angesehener Klimawissenschaftler zu den Themen der IPCC-Berichte sowie zur deutschen Rolle in der Energie- und Klimadebatte.

In einem Vorwort schreibt Sigmar Gabriel, zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches noch Bundesumweltminister, einen Satz, der den Duktus der IPCC-Berichte und der Beiträge des Buches zum Ausdruck bringt: „Die Chancen für ein entschlossenes Handeln gegen den Klimawandel waren nie besser. Wir dürfen sie nicht verpassen.“

Eine weitere Grundaussage wird in einer Darstellung der IPCC-Erkenntnisse so zusammengefasst: „Die Fakten des IPCC, der größten Wissenschaftskommission der Erde, belegen: Die globale Erwärmung hat in allen Erdregionen begonnen.“ Ebenso besteht bei den am IPCC-Prozess beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kein Zweifel daran, dass der Mensch der Hauptverursacher dieser Entwicklungen ist.

Der Prozess der Entstehung der IPCC-Bericht

Lohnend ist die Lektüre nicht nur die Darstellung der IPCC-Erkenntnisse, sondern auch von Abschnitten des Buches, in denen der Prozess dargestellt wird, durch den es zu den IPCC-Berichten kommt. Bekanntlich werden im Rahmen von IPCC keine eigenen Klimaforschungen durchgeführt, sondern man sichtet, prüft und bewertet eine Vielzahl vorliegender Studien und Forschungsergebnisse zu Klimafragen und verständigt sich auf dieser Grundlage auf Berichte, die den aktuellen Stand der Erkenntnisse zum Klimawandel darstellen. An diesem Prozess waren zuletzt weit mehr als 3.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt.

Als ein Problem erweist sich, dass bei den IPCC-Tagungen die Bewertung einstimmig getroffen werden muss, was bei zuletzt 130 beteiligten Staaten immer wieder schwierige Verhandlungen und Kompromisse erfordert. Besonders von den US-Vertretern wurden in der Vergangenheit häufig Zweifel geäußert, dass ein dramatischer Klimawandel stattfindet und dass er von Menschen verursacht wird. Im Buch wird dargestellt, wie US-Regierungen Anfang des Jahrhunderts versuchten, die IPCC-Ergebnisse zu widerlegen:

„Washington öffnete die Geldschatulle, um die angebliche Klimahysterie zu widerlegen: Mit 29 Milliarden Dollar, so das Weiße Haus, haben die USA mehr Geld als jedes andere Land in die Klimaforschung investiert. Doch statt der erhofften Ergebnisse, die den Skeptikern Auftrieb geben sollten, erlebte das konservative Amerika ein Fiasko, eine dicke Schlappe. Die von Präsident George W. Bush mit der Überprüfung beauftragten amerikanischen Wissenschaftler bestätigten die Sachstandsberichte des UN-Klimarates.“

Die Wahrscheinlichkeit von Risiken

Im Buch wird auf ein weiteres Problem der IPCC-Berichte eingegangen, dass nämlich nur Aussagen aufgenommen werden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit gemacht werden können. Wolfgang Cramer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung äußert kritisch: „Die Öffentlichkeit erfährt einen wichtigen Teil der Wahrheit nicht“, nämlich weniger wahrscheinliche, aber mögliche, oftmals verheerende Gefahren: „Würden Sie in ein Flugzeug steigen, dass nur mit weniger als 33-prozentiger Sicherheit, aber mehr als 10-prozentiger Wahrscheinlichkeit abstürzt?“ Die Beschreibung der Gefahren würde weit heftiger ausfallen, wenn Risiken und Gefahren in die IPCC-Berichte aufgenommen würden, deren Wahrscheinlichkeit von den Wissenschaftlern nicht als hoch genug angesehen wird.

Sehr lesenswert sind zum Beispiel auch die Abschnitte des Buches, in denen dargestellt wird, wie unter dem Druck der USA eine Passage zur Atomkraft in den letzten IPCC-Bericht aufgenommen wurde, was dann in den Vereinigten Staaten genutzt wurde, um Pläne für den Bau neuer Atomkraftwerke voranzutreiben.

Diese wenigen Beispiele mögen belegen, dass das Buch von großem Interesse für alle ist, die die internationale Klimadiskussion und die Rolle der IPCC-Berichte in dieser Diskussion verstehen wollen. Zur Wirkung der Berichte heißt es in dem Buch u.a.: „Seit dem weltumspannenden Votum der Klimaforscher des IPCC wird die globale Erdewärmung von den meisten Menschen als reale Gefahr gesehen, während sie in den vergangenen Jahren weit gehend als eine nur denkbare Bedrohung empfunden wurde.“ (Frank Kürschner-Pelkmann)

Michael Müller, Ursula Fuentes und Harald Kohl (Hrsg.): Der UN-Weltklimareport, Bericht über eine aufhaltsame Katastrophe, Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2007, 429 Seiten, 12,95 Euro