

„Im Leben der Armen spielen Katastrophen schon heute eine nicht zu übersehende Rolle. Ereignisse wie Dürren, Überschwemmungen und Stürme werden von den Betroffenen oft als furchtbar erlebt; sie bedrohen Menschenleben und verunsichern die Menschen zutiefst.“ So werden im „Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008“ die Folgen einer ständig zunehmenden Zahl klimabedingter Katastrophen dargestellt. Es wird darauf verwiesen, dass in der zweiten Hälfte des 1970er Jahre weltweit jährlich deutlich weniger als 50 Millionen Menschen von solchen Katastrophen betroffen waren. Anfang unseres Jahrhunderts waren es jedes Jahr bereits weit über 200 Millionen Menschen. 98% der von Klimakatastrophen betroffenen Menschen leben in Entwicklungsländern. Dass sich die Windenergie tropischer Wirbelstürme in den letzten Jahrzehnten verdoppelt hat und weiter zunimmt, lässt das Schlimmste für die Menschen in den Küstenregionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas befürchten. Andernorts nehmen die Dürren an Intensität und Dauer zu.
Der arme Teil der Bevölkerung im Süden der Welt trägt nur minimal zu den klimaschädlichen Emissionen bei, die den globalen Klimawandel ständig verstärken. Und doch sind vor allem sie die Opfer der Folgen des Klimawandels und dies gilt besonders für Frauen. Klimawandel erscheint oft als ein abstrakter Prozess, nach Katastrophen gewinnt er für die Armen der Welt eine konkrete, bedrohliche Gestalt.
Das Ausmaß vieler Katastrophen lässt sich durch vorbeugende Initiativen stark begrenzen. Beispiele sind der Bau höherer Deiche gegen Flutwellen oder von Wasserreservoirs gegen lange Dürrezeiten. Es gibt viele erfolgreiche Ansätze zur Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern, die aber vor allem aus finanziellen Gründen nicht überall verwirklicht werden. Dabei muss verhindert werden, dass die Erfolge jahrelange Entwicklungsanstrengungen bei der nächsten Katastrophe wieder völlig zunichte gemacht werden. Armutsbekämpfung und Maßnahme zum Schutz vor den Folgen des Klimawandels gehören deshalb aufs Engste zusammen.
Etwa 70% aller Katastrophen auf der Welt entstehen inzwischen in Zusammenhang mit extremen Wetterereignissen. Vor zwei Jahrzehnten waren es erst 50%. Diese Erkenntnis hat das „Office for the Coordination of Humanitarian Affairs“ (OCHA) der Vereinten Nationen veranlasst, sich intensiv mit den Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die Häufigkeit und das Ausmaß humanitärer Notsituationen zu beschäftigen und daraus Konsequenzen für die humanitäre Arbeit zu ziehen. Das zentrale „Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten“ ist im UN-Sekretariat in New York angesiedelt und wird von UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos geleitet.
„Es gibt mehr als eine Milliarde hungernder Menschen auf der Welt – und es besteht die Gefahr, dass der Klimawandel die Zahl der Menschen deutlich erhöhen wird, die von Hunger und Unterernährung bedroht werden.“ Das schreibt das „World Food Programme“ (WFP) der Vereinten Nationen in der Broschüre „Hunger and Climate Change“. Der globale Klimawandel ist dafür verantwortlich, dass es in vielen Regionen der Welt vermehrt zu Dürren und Flutkatastrophen kommt, die die Ernährungsgrundlage von Millionen Menschen zerstören.

Die aktuelle Ausgabe der Eine-Welt-Presse der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen beschäftigt sich mit humanitären Katastrophen, die zunehmend als Folgen des Klimawandels und schwacher Staaten angesehen werden können und neben der Zivilbevölkerung auch die Helferinnen und Helfer großen Gefahren aussetzen.
Die Autorinnen und Autoren untersuchen die Folgen der wachsenden Zahl der Katastrophen für die Menschen weltweit. Ziel der verschiedenen Hilfsorganisationen ist der nachhaltige Wiederaufbau sowie der Schutz vor zukünftigen Katastrophen, beispielsweise in den von einem Erdbeben zerstörten Gebieten Haitis oder in den von Fluten bedrohten Gebieten Bangladeschs.
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